LinkedIn als Jobrequirement?

#Social · #Rant

Heute fand die MeetIT, eine Firmenkontaktmesse (mit Schwerpunkt IT) an der Hochschule Heilbronn, statt—eine richtig gute Sache! Die Hochschule veranstaltet diese Messe einmal im Jahr, meistens in der ersten Novemberwoche. Dabei haben Firmen aus Heilbronn & Umgebung, teilweise auch von weiter weg, einen Stand. An diesem kann man sich als Besucher über das Unternehmen informieren und Kontakte knüpfen.

Das coole dabei: Kontakt mit Entwickler:innen/Mitarbeiter:innen die einem Einblicke in die Informatikthemen, Teck-Stack(s), Tooling, Produkte usw. geben. Gelegentlich tauscht man sich auch über Technologien aus.

Cool, aber was hat das mit LinkedIn zu tun?

Berechtigte Frage—hier das Ende eines repräsentativen Gesprächs das in die Problematik des Themas einführen soll:

…gib mir doch dein LinkedIn, dann können wir in Kontakt bleiben & Du bekommst News zum Unternehmen!

Wenn ich mich dann bedanke und erwähne dass ich kein LinkedIn habe, kommt z.B. sowas:

Das kann ich Dir nur Empfehlen – das braucht man heutzutage.

oder:

Das ist aber schlecht!

Ich grinse dann meistens, ohne böse Absicht. Ich mache das nur weil ich vor ca. einem Jahr alle meine Social-Media-Accounts gelöscht habe. Nun ja, nicht ganz—Google habe ich noch. Wenn man den Mailservice von Google verwendet, hat man zwangsweise einen Google-Account, folglich auch einen Youtube-Account und somit Social-Media!

Vielleicht kann man schon erahnen worauf ich hinaus will…

Das Ziel eines wirtschaftlichen Unternehmens ist es (den maximalen) Gewinn zu erwirtschaften. Social-Media Plattformen, als prominenteste Beispiele Facebook (Meta), TikTok (Bytedance) und für die Zwecke des Posts: LinkedIn (Microsoft) sind gewinnbringende Unternehmen. Meta gehört mit einer Marktkapitalisierung von 1,4 Billion € zu den wertvollsten Unternehmen der Welt1! Es stellt sich also die Frage wie Unternehmen mit sozialen Medien so reich werden? Die Antwort: Werbung und Nutzerdaten.

Mark Zuckerberg, Elon Musk und Co sind die Rockefellers der Neuzeit. Ihr Erdöl: Werbung und Nutzerdaten.

Ich habe nichts gegen diese Unternehmen—wirklich nicht. Das Hauptproblem das ich sehe, liegt in der Verwendung ihrer Algorithmen und das damit einhergehende Alignmentproblem. Um die Nutzeraktivität zu erhöhen werden Algorithmen so angepasst, dass maximal viel Zeit auf einer Plattformen verbracht wird. Je mehr Zeit Nutzer:innen auf einer Platform verbringen, desto mehr Werbung kann geschaltet und Nutzerdaten gesammelt werden. Inhalte die polarisieren (Hass & Hetzte) werden gepusht. Beiträge die für ein soziales miteinander sorgen gehen unter—klar, diese tragen laut Algorithmus nicht zur Maximierung bei. Ich denke nicht, dass es das Ziel der Plattformanbieter ist Hass und Hetzte zu verbreiten. Das Ziel des Algorithmus aber schon, das nimmt man offensichtlich in Kauf2.

Es geht um LinkedIn und nicht Facebook? LinkedIn ist ein Karrierenetzwerk.

Ein Karrierenetzwerk ist genauso ein soziales Netzwerk. Die Vermarktung unterscheidet sich nicht aber die Probleme3.

Was ist die Alternative?

Seit einiger Zeit gibt es den Trend der föderierten sozialen Netzwerke und das Konzept von Open Social. Die Idee dahinter ist Herr seiner eigenen Daten zu sein. Es gibt keine Entität die sich daran bereichert—daher würde eine Algorithmus zur Gewinnmaximierung auch keinen Sinn ergeben. Ein zusätzlicher Vorteil wäre eine geringere Abhängigkeit. Dazu aber in Kürze mehr.

Der springende Punkt

Zurück zu: “Vielleicht kann man schon erahnen worauf ich hinaus will…”

Neben dem Alignmentproblem gibt es noch ein Abhängigkeitsproblem. Alle Personen die ich kenne (mich selbst eingeschlossen) verwenden Google, viele nutzen Microsoft Produkte (Windows, Office, …). Haben ein Android Smartphone oder ein iPhone. Unternehmen verwenden AWS, Azure oder GCP. Mit anderen Worten Apple, Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta sind überall. Unsere Onlineleben und Teile unserer informationstechnischen Infrastruktur sind abhängig von 5 US-Unternehmen.

Die Intention von Tim Berners-Lee war es ein Universum zu erschaffen4. Ein Netz das mit Sicherheit aus mehr als 5 Knoten besteht.

Ich sage nicht man sollte X oder Y boykottieren. Mein Ziel ist es lediglich zum Nachdenken anzuregen, da ich das Gefühl habe den meisten Menschen sind die Implikationen unserer Abhängigkeiten und Gewohnheiten nicht bewusst.

Ist LinkedIn ein Jobrequirement? Nein, zu allen meinen bisherigen Arbeitgebern bin ich unabhängig von LinkedIn gekommen. Ich habe mich aber heute in den Gesprächen teilweise wie ein Aussätziger gefühlt. 5 Sekunden später war es mir dann aber auch wieder egal.


  1. Aktienkurs Meta. https://www.finanzen.net/aktien/meta_platforms-aktie. (Abgerufen am 05.11.2025 16:30). ↩︎

  2. Harari, N. (2024). Nexus. 1. Auflage. Penguin Verlag, München. S. 370-377. ISBN: 978-3-328-60375-7. ↩︎

  3. Hamann, G. (2022). Pöbeln, hassen, Karriere machen. LinkedIn galt lange als unpolitisches Business-Netzwerk. Inzwischen hetzen dort Nazis und Corona-Leugner unter Klarnamen. Und das Unternehmen lässt sie zu oft gewähren. In: Zeit. Nr. 10, 2022. https://www.zeit.de/2022/10/linkedin-hatespeech-corona-leugner (Abgerufen am 05.11.2025 17:00) ↩︎

  4. Die erste Website. https://info.cern.ch/hypertext/WWW/TheProject.html (Abgerufen am 05.11.2025 17:10) ↩︎